Unsere Pension

Unsere Pension ist ein Kleinstunternehmen, ohne Ausweisung der Umsatzsteuer nach § 19 des Umsatzsteuergesetzes,  wir vermieten  Gästezimmer mit DU/WC/TV   in wunderschöner, ruhiger Lage, mit großem Garten. Es erwartet sie zwischen 8 und 10 Uhr ein umfangreiches Frühstücksbuffet und für alle, die sich am Abend lieber selbst versorgen - unsere Gästezimmer sind entsprechend mit Kühlschrank, Mikrowelle, Wasserkocher, Kochplatte  und weiteren Utensilien ausgestattet.

Wer gern liest, dem empfehle ich die Kurzform zur "Geschichte des Hauses"

Vor 1945 gehörte das Gebäude zum Rittergut Quolsdorf, es wurde als sogenanntes „Vorwerk“ (Außenstelle eines Rittergutes), als landschaftliches Gebäude mit Scheune, Schrotkammer, Heuboden, Tenne – wo Getreide gedroschen wurde, genutzt. Der damalige Rittergutsbesitzer Herr Milkau war auf der Rückkehr von der Flucht vor der Roten Armee am Ende des 2.Weltkrieges auf eine Mine geraten und dabei tödlich verletzt worden. Da er keine Kinder hatte, ging sein Besitz an den Staat über.

Wolfgang Weiser war mein zweiter Ehemann (mit meinem ersten Mann war ich 11 Jahre in Leutewitz bei Meißen verheiratet). Wolfgang und ich heirateten im Juli 1989. Leider verstarb Wolfgang am 3.3.1990 nach nur einem Dreivierteljahr Ehe während unserer Bauarbeiten an Herzinfarkt. Zu diesem Zeitpunkt waren wir beide erst 39 Jahre alt und wollten uns aus dem vollkommen herunter gewirtschafteten ehemaligen LPG-Gebäude ein Wohnhaus mit Möglichkeiten zur landwirtschaftlichen Nutzung ausbauen. Heinrichswalde ist meine Heimat .Meine Eltern wohnten auch in Heinrichswalde, im Haus des damaligen Försters, hinten am Wald.

Ich selbst wohnte mit meinen 2 Kindern von 1982-1990 mitten in der Natur, im Gärtnerhaus des damaligen „Seeschlößchen“ Niederspree, dass zu diesem Zeitpunkt zum Ministerium für Staatssicherheit, Abteilung Rückwärtige Dienste, gehörte. Mit 4 anderen Mitarbeitern und manchmal weiteren Helfern (meist Lehrerstudenten) betreuten wir während der Sommerferien  meist 84 Kinder von Eltern, die an der Hochschule für Juristen in Potsdam arbeiteten. Außerhalb der Schulferien war es unsere Aufgabe, Wochenendveranstaltungen verschiedener Abteilungen der Bezirksverwaltung Dresden, zu organisieren. Außerdem betreuten wir in den Monaten Mai, Juni, September und Oktober auch Urlauber des MfS, meistens Urlauber, die  zur Bezirksverwaltung Dresden gehörten. Es war eine sehr interessante und abwechselungsreiche Arbeit. Das Gebäude wurde damals  "MZO (Mehrzweckobjekt) Seeschlößchen" - wegen seiner attraktiven Lage genannt.

Vor 1983 arbeitete ich in der 10-klassigen allgemeinbildenden Oberschule Ziegenhain im Kreis Meißen vornehmlich als Russischlehrerin. Nach der Wende dann noch  zwei Jahre an der 10-klassigen polytechnischen Oberschule in Hähnichen. Danach wurde ich, wie so viele, arbeitslos.  Wie sollte es weiter gehen? Tochter Anja hatte im Kreis Meißen eine Familie gegründet, Sohn Mario hatte in München eine Lehre als Heizungs-Lüftungsbauer begonnen und pendelte jedes Wochenende. Mein Sohn und ich entschlossen uns dazu, das alte stark reparaturbedürftige Bauernhaus so umzubauen, dass Zimmer vermietet werden können. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch 10 000 Mark  Schulden, Geld, das zum Kauf des Grundstückes und des Hauses gebraucht worden war. Kein besonders guter Ausgangspunkt für den Aufbau einer eigenen Existenz!

Bei der Sparkasse holte ich mir immer wieder kleinere kurzzeitige Kredite und es wurde mit Umbau und gleichzeitiger Vermietung, vornehmlich an Monteure, begonnen.

1990 - 1992

Erste Umbauarbeiten zur Herstellung eines bewohnbaren Zustandes, denn bis August 1990 mussten wir aus dem Wohnhaus in Niederspree ausgezogen sein. Die neue Gesellschaft hatte keinen Platz mehr für uns im Objekt in  Niederspree, da es ja ein Objekt der Staatssicherheit war. In Heinrichswalde begannen wir mit dem Entkernen und dem Abriss der Schilfrohrdecken, dem Abriss der alten verbrauchten Kachelöfen, der Fußbodenerneuerung, dem Abriss des alten Vorbaues, die alten, feuchten Gewölbekeller wurden zugeschüttet, die Räucherkammer wurde abgetragen, der Getreideboden umgebaut und erste - etwas neuere Türen und Fenster, zwar auch gebraucht, aber trotzdem bessere, wurden eingebaut.

1992 – 1997

Es begann die Vermietung mit Halbpension an Monteure und Geschäftsreisende. Meistens durch Eigenleistung von uns und Freunde meines Sohnes wurden aus der alten Jauchegrube eine Dreikammer – Kläranlage, 560qm Dachfläche wurden neu gedeckt, der Hof und die Einfahrt wurden gepflastert, die Terrasse gebaut (Straßenseite), im Garten Bäume und Sträucher gepflanzt. Mein Sohn begann mit dem Ausbau des hinteren Teiles ( der ehemaligen Scheune und teilweise Stall) zu seinem Wohnhaus. Damit er Kredit von  der Bank für seinen Ausbau bekommt, überschrieb ich ihm einen kleinen Teil des Grundstückes.

1997 – 2002

Ab 1997 stockte die Vermietung an Monteure, denn alle Abwasser- und Trinkwasserleitungen sowie Klärwerke waren gebaut, auch große Einkaufsmärkte mit den dazugehörigen Parkplätzen. Nun ging bei der Vermietung nichts mehr weiter, denn niemand plante hier im Osten neue Betriebe zu bauen. Wer brauchte auch Konkurrenz aus dem Osten?  Arbeitsplätze fehlten überall und ehemalige Mitarbeiter des MfS wollte erst recht keiner einstellen. Meine Eltern hatten mir schon frühzeitig beigebracht: Jeder Mensch hat das Recht  und die Pflicht zur Arbeit! Am Ende seines Lebens sollte man in den Spiegel blicken und sich mit gutem Gewissen sagen können: Ja, mein Leben war sinnvoll, ich habe dies oder jenes geschafft, ich bin für Frieden und Völkerfreundschaft in der Welt eingetreten. Mein Großvater (er war viele Jahre Bürgermeister in Quolsdorf) hatte mir folgenden Spruch in mein Poesiealbum geschrieben: „Ein Ende nahm das leichte Spiel, es naht der Ernst des Lebens – behalt im Auge fest dein Ziel, geh keinen Schritt vergebens!“  Oder mein Klassenlehrer Günter Fichtner, der dann später unser Schuldirektor wurde: „Sabine – Unmöglich ist nichts, und man kann alles, wenn man nur will“!

Weil keine Bauleute mehr kamen, musste ich mir zwischendurch Arbeit suchen. 1998 stellte mich ein türkischer Staatsbürger an seinem Döner-Imbiss ein. Fortan verkaufte ich Döner, Bratwurst, Pommes usw. wochentags und feiertags und zu mehreren Volksfesten, er übernahm mich auch als Köchin, als er 2000 eine Gaststätte in Rothenburg eröffnete. Yilmaz Yurdakul verkauft mit seiner Frau Yet noch heute in Rothenburg im Imbiss "Bosporus" am Edeka- Markt Döner und verschiedene andere Speisen.

2002 – 2008

Was sollte aber aus der Pension werden? Die Arbeit in der Gaststätte gab ich 2002 auf und entschloss mich, einen größeren Kredit zu nehmen und nochmals umzubauen (denn beim ersten Mal hieß es nur immer: möglichst preiswert!) Obwohl die Lage hier sehr ruhig ist und unser Teil der Lausitz bis dahin noch nie ein Urlaubergebiet war, wollte ich es dennoch mit Urlaubern probieren, auch hoffte ich, dass es auch andere Einwohner mit dem Vermieten probieren würden und zweimal organisierte ich deswegen Versammlungen, die leider keinen Erfolg brachten.  Durch sehr viele unterschiedlichen Werbeformen (und damit aber auch hohen Werbeausgaben) sowie täglicher fleißiger Arbeit von morgens bis zum späten Abend gelang es mir, den Urlaubern ihren Aufenthalt in der Lausitz schmackhaft zu machen. Nicht einen einzigen Monat war ich mit meinen Kreditraten im Rückstand, mit erhobenem Haupt, nicht gedemütigt, konnte ich mein Gesicht wahren. Ich war ehrgeizig und stark genug, den Einwohnern, die mit Fingern auf uns Mitarbeiter des MfS gezeigt hatten, zu beweisen, dass ich kein Arbeitsamt brauchte. Es wurden in diesen Jahren der Heuboden zur Ferienwohnung umgebaut, die Elektrik komplett erneuert, die gesamte Heizungsanlage, alle Fußböden, die Innentreppe und alle Zimmertüren .Beim ersten Umbau durfte es nichts kosten, da wir damals beim Kauf noch mit 10000 Mark verschuldet waren. So musste ich dann zweimal bauen. Aber bestimmt ging das auch anderen Familien so. Sie werden denken: wer half in den vielen Jahren? Es waren mein Sohn Mario mit Schwiegertochter Ramona an den Wochenenden, weiterhin Freunde und Bekannte, später dann hauptsächlich Firmen über Kreditfinanzierung. Allein hätte ich das niemals schaffen können. Aber ab Anfang Juni 2002 wurden die Urlauberzimmer mit DU/WC fertig und es konnte wieder  vermietet werden.

2008 – 2012

2007 musste ich mich einer Halswirbel – OP unterziehen. Spinalkanalstenose. Ich konnte kaum noch laufen und hatte keine Kräfte mehr in Armen und Beinen. Ein Titanzylinder wurde vom 2. - 5. Halswirbel erfolgreich am Klinikum Görlitz eingebaut. Wenn man das Röntgenbild betrachtet, erschrickt man und denkt: wozu die Ärzte heutzutage in der Lage sind!  Jedoch rieten die Ärzte zur Aufgabe der Pension – denn ich solle mich fortan „wie ein rohes Ei“ behandeln - aber wer sollte den Kredit weiter abzahlen? Deshalb beschloss ich, um mich zu entlasten, die Verpflegung der Urlauber abzugeben und nur noch zu vermieten. Ab 2009 bis 2012 wurden unsere Urlauber komplett durch die damalige gegenüberliegende Pension versorgt. Die Werbekosten fielen aber auch weiterhin an. Um Kredite tilgen zu können, musste ich jetzt noch mehr rechnen, denn die fehlenden Einnahmen aus der Verpflegung und dem Verkauf der Getränke machten sich bemerkbar.

2013

Es ging mir gesundheitlich wieder besser. Die Verpflegung nahm ich aus verschiedenen Gründen wieder in die eigenen Hände. Die ehemaligen Besitzer haben inzwischen verkauft und sind ins Dorf nach Quolsdorf gezogen Da ich zwischenzeitlich den ehemaligen Speiseraum zu einem Gästezimmer umgebaut hatte, brauchte ich aber einen neuen Speiseraum. Ich wusste auch schon wie. Die überdachte Terrasse auf der Hofseite wurde dazu genutzt – und es erfüllte sich mein Traum vom Wintergarten. Ich nahm nochmals einen Kredit und der Wintergarten wurde gebaut. – Mit Fußbodenheizung. Es sollte ja auch im Winter gemütlich warm sein.

Die Ereignisse überschlugen sich: Eigentlich hatte ich vor, nach Dresden zu ziehen. Die Pension, so war meine Planung, sollte von Schwiegertochter Ramona und Sohn Mario weitergeführt werden. Ich wollte gern in der Stadt Dresden wieder Russisch  privat unterrichten. Beide lehnten aber  ab:  Also blieb ich.

Im Jahr 2013 erfüllte sich nicht nur der Traum vom Wintergarten, sondern im Februar 2013 trat auch in einer schwierigen Lebenssituation Lothar Wilke in mein Leben, nach 23 Jahren meines Alleinseins! Die Artenvielfalt und das Vorhandensein von Wölfen hatten ihn als Hobbyfotograf nach 5 Jahren Aufenthalt in der Wildnis Schwedens inspiriert, die Lausitz zu erkunden. Alles passte bei uns. Gleiche Interessen und viel gegenseitige Toleranz. Wir heirateten im Februar 2014. Lothar stammte aus Hessen und war sein Leben lang am Staatstheater in Darmstadt für die Bühne verantwortlich. Er war in Israel und Amerika auf  längeren Natur-Reisen unterwegs gewesen und wollte nun die letzten Jahre  wegen der Wölfe in der Lausitz verbringen. Er war nicht verheiratet und hatte auch keine Kinder. Endlich hatte ich einen Partner, der voller Fürsorge für mich und die Pension war. Ich konnte mich voll und ganz auf ihn verlassen. Er trank keinen Alkohol und rauchte nicht. Wir hatten gleiche Ansichten von der Welt und auch davon, weshalb sie so ist , wie sie ist und vor allem davon, wie sie besser werden könnte.

 2014 hatte ich Glück im Unglück – wieder waren es Stenosen (Verengungen) in der Wirbelsäule, die mich zur OP zwangen. Die Verengungen im Wirbelkanal der Lendenwirbelsäule wurden dieses Mal durch Aufbohren und Ausräumen der drei kranken Wirbelkörper beseitigt). Es kam aber – vielleicht wegen zu hohem Blutdruck- zu Nachblutungen in den Wirbelkanälen. Am 4.Tag nach der Haupt-OP mussten die Wirbelkanäle ein zweites Mal wieder in einer Not-OP geöffnet werden. Die Folge war, dass ich wieder neu laufen lernen musste, weil die Spinalnerven zu lange gequetscht waren. Nach einem Vierteljahr konnte ich wenigstens mit dem Rollator gehen. Noch heute staune ich, wie ich es durch die Hilfe meines Mannes Lothar, der mit im  Krankenhaus und während der langen Reha auch immer an meiner Seite war und mit mir zusätzlich übte, geschafft habe. Es folgten zwei schöne Jahre !

Aber Lothar erkrankte im Mai 2018 an Mandelkrebs und verstarb nach Chemo-und Strahlentherapie am 20.August 2018. Wieder ein schwerer Schicksalsschlag!  Die Fotos im Pensionsgebäude sind alle von ihm und erinnern an seine Zeit hier in Niederspree.

 Früher habe ich von morgens bis abends von März bis Ende Oktober durchgearbeitet. Einen Nachteil hatte das Ganze – ich konnte mich nicht genug um meine eigene Familie kümmern, habe besonders die Familie meiner Tochter mit Ehemann, vier Enkelsöhnen und Schwiegereltern vernachlässigt (wohnen alle im Kreis Meißen). Ich arbeitete meistens wegen der ständigen Rückzahlungen allein oder mit  höchstens einer oder zwei zusätzlichen Arbeitskräften – Oft grüble ich darüber nach, aber es standen immer die Gäste und die Rückzahlung der Kredite im  Vordergrund. Tochter Anja fühlte sich und ihre Familie vernachlässigt. Oft überlegte ich, wie ich es in meiner Situation hätte noch besser machen können. Aber bis heute ist mir nichts dazu eingefallen. Zu oft war ich an der Grenze meiner Kräfte.

Der heutige Stand ist so, dass es evtl. in zwei Jahren jemanden gibt, der mit mir die Pension führen wird. Es ist Klaudia Lehmann, die viele Jahre Heinrichswalde mit ihrem Mann Klaus besuchte. Klaus ist leider im Januar 2021 verstorben. Beide zog es schon seit vielen Jahren hierher, Klaus wurde in unserer Gegend, in Niederspree, geboren. Zur Zeit arbeitet Klaudia noch als Pflegehelferin in einem Pflegeheim in Leverkusen. Ich würde mich sehr freuen, wenn es zu solch einer Lösung käme – nun habe ich wieder neue Hoffnung, dass es mit der Pension weitergehen kann. Immernoch freue ich mich, wenn ich unseren Gästen von meiner Heimat und den Ausflugszielen erzählen kann.

Oft wird unsere Pension in der Lausitzer Heide-Teichlandschaft wegen der reichen Artenvielfalt der wild lebenden Tiere  von Naturfotografen besucht. Interessant sind dann immer die abendlichen Auswertungen der am Tage gemachten Fotos oder Videos oder der interessanten Erlebnisse.

Na, sehen wir mal, wie es mit der Pension Weiser weitergehen wird….Ich bin voller Hoffnung.....Immernoch freue ich mich nach nunmehr 30 Jahren auf interessante Menschen, die in unserer schönen Lausitz ihren Urlaub verbringen möchten.